Sonntag, 15. März 2015

Vermögensgrenze bei Menschen mit Behinderung

Verrückt oder?! Menschen mit Behinderung dürfen nur 2600€ Vermögen ansparen, bevor alles Andere ihnen wieder abgezogen wird. Das ist doch wohl ein Unding!

Selbstverständlich wird darüber im Bundestag schon debatiert, und das ist auch gut so.
Aber was hilft einem die Debatte, wenn es einen selbst in diesem Moment betrifft?!
In dieser Woche ist mir eine Klientin begegnet, die geerbt hat. Aber letztendlich hat sie davon nichts, da ihr Erbe in die pflegerische Versorgung und die Eingliederungshilfe fließt. Es ist sicherlich richtig, dass Klienten nicht nur auf Kosten des Staates leben können, wenn ihnen das Geld zur Verfügung steht. Aber was ist mit den ganz persönlichen, teuren Träumen?

Wer zum Thema Vermögensgrenze recherchiert, findet viele Beipiele zu teuren Träumen, ein behindertengerechtes Auto, eine Flugreise o.Ä. Aber wie soll soetwas mit 2600€ möglich sein, ohne die Möglichkeit zu haben über viele Jahre das Geld anzusparen?. Sicherlich gibt es auch Klienten, die sich schlecht bis gar nicht zu ihren Wünschen und Bedürfnissen äußern können, die im Grunde auch nicht das ganze Geld benötigen.
Diese Klienten, die möglicherweise keine hohen Ansprüche und keine Vorstellung von ihrem Geld haben, betrifft es nicht in erster Linie.
Denn in erster Linie haben doch die Menschen, die ein größt mögliches, selbstbestimmtes Leben führen wollen, auch den Wunsch wie jeder Andere am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Wie soll das funktionieren, wenn man immer auf das Geld schauen muss.
Natürlich kann man auch argumentieren, dass es Menschen, die ALG II beziehen, schlecht geht und sie ebenfalls von dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt werden.
Meiner Meinung nach ist es aber schon noch ein Unterschied, ob Menschen mit Behinderung, die täglich 8 Std. arbeiten gehen und dessen Arbeit sie an ihre Grenzen bringt, wenig Geld zur Verfügung haben und keine Möglichkeit bekommen ihr Geld zu sparen oder jemand nicht arbeiten geht, aus welchem Grund auch immer, aber dennoch wenigstens die Möglichkeit bekommt auf etwas hinzusparen.

Sonntag, 8. März 2015

Andere interessante Seiten

Inklusion in Bremen bei Ute S.:
http://www.nwzonline.de/kultur/weser-ems/das-fast-normale-leben-der-ute-s-das-fast-normale-leben-der-ute-s_a_15,0,651426210.html

Inklusive Begegnugen

Was macht das Leben in einer inklusiven Gesellschaft so besonders?
Ganz klar: Die bunte Vielfalt mit vielen unterschiedlichen Meinungen und Ansichten!

Jeder ist sein eigener Experte!
Jeder ist sein eigener Chef!

Was das bedeutet, möchte ich in meinen folgenden Interviews deutlich machen. Denn es ist doch toll so vielen unterschiedlichen und einzigartigen Menschen zu begegnen! 

Zu meiner Person:

Ich heiße Ina, bin 23 Jahre alt und wenn ich mich beschreiben müsste, bin ich klein, aber dennoch nicht zu übersehen; ein bisschen verrückt, aber dennoch zurückhaltend.
Ich interessiere mich sehr für die Meinungen und Ansichten anderer Menschen.
Wie man bereits in meinem Wochenblog lesen konnte, arbeite ich im ambulant unterstützten Wohnen als Heilerziehungspflegerin.
Ich liebe meinen Beruf und die dortigen Eindrücke, die ich gewinne, freue mich aber auch in mein Privatleben ein bisschen Farbe reinzubringen.
Für meinen Ausgleich liebe ich Blumen und meinen Garten. Ich freue mich auf den Frühling und Sommer um mich endlich im Garten austoben zu können und auch dort eine eine bunte Farbenpracht zu erschaffen. 

Freitag, 20. Februar 2015

Sozialraumorientierung

Was bedeutet Sozialraumorientierung?

Ein Sozialraum ist der "Raum" bzw. das Netzwerk in dem sich ein Mensch befindet.
Wo lebt er?
Wie lebt er?

Bei der Sozialraumorientierung geht es darum sich an den Möglichkeiten der Umgebung zu orientieren und die Hilfen richtig einschätzen zu können, um sie für die eigenen Bedürfnisse nutzen zu können.
Es geht nicht darum, jemanden in eine Stadt zu integrieren, ihn in ein bestehendes System einzubringen.
Sondern viel mehr darum die zur Verfügung stehenden Hilfen anzunehmen. Es kommt in einem Sozialraum immer auch auf die Umgebung an. Wollen diese überhaupt helfen/sich mit dem Gegenüber beschäftigen (völlig egal ob mit oder ohne Behinderung)?
Dann kommt es auch immer darauf an, ob Derjenige überhaupt die Chancen des Sozialraums nutzen möchte. Wenn nicht, sind alle Mühen völlig umsonst.

Häufiges Problem der meisten Menschen ist aber, dass sie sich ihrer Stärken gar nicht bewusst sind bzw. sich immer an ihren Schwächen orientieren. Menschen mit Behinderung sind in den meisten Fällen damit aufgewachsen zu wissen was sie alles nicht können und werden daran durch häufige Gutachten, beispielsweise, immer wieder daran erinnert.
Pädagogisch wertvoll ist daher eher das Stärkenmodell. Denn zugegeben, wir Mitarbeiter, orientieren sich auch immer wieder an den Schwächen unserer Klienten. Was können sie nicht? Was brauchen für Unterstützungsleistungen/Hilfen?

Ebenfalls in der Sozialraumorientierung fest verankert ist, dass wir nicht nur für einzelne Randgruppen zuständig sind, sondern für alle. Egal ob alt, behindert, mit Migrationshintergrund oder oder oder...
Dafür gibt es aber derzeit noch kein Geld. Denn Geld gibt es nur für die direkte Betreuung, z.B. in der Eingliederungshilfe für die Menschen mit Behinderung. Ebenso bekommen arbeitslose Geld vom Arbeitsamt und Rentner von der Rentenversicherung. Aber wer kümmert sich um alle? Die alte Frau, die sich so einsam fühlt. Der arbeitslose Nachbar der vor Langeweile nichts mit sich anfangen kann.
All das sind noch Probleme der Sozialraumorientierung auf dem Weg zur Inklusion die bewältigt werden müssen.

Gern verweise ich auf den Vortrag von Dr.Wolfgang Hinte zum Thema Sozialraumorientierung (vgl. http://www.lebenshilfe.de/de/leichte-sprache/mit-bestimmen/Downloads/Hinte-Sozial-Raum-Text.pdf ). Besonders anregend finde ich die Schlussfragen seines Vortrags.

Weiterer Link zum Thema Fachkonzept der Sozialraumorientierung: https://www.uni-due.de/biwi/issab/sozialraumorientierung

Samstag, 24. Januar 2015

Assistenz

Wie bereits mehrfach beschrieben, besteht häufig noch das Bild der Fürsorge. Häufig wissen die Mitarbeiter noch sehr genau was für die Klienten gut ist, bringen ihren "richtigen Weg" an ohne dabei auf die Wünsche und Bedürfnisse des Klienten einzugehen, da diese in den Augen des Mitarbeiters falsch sind.
In den neuen Theorien, z.B. von Georg Theunissen, wird eine Form der Assistenz formuliert. Dabei geht es nicht mehr um die Fürsorge, sondern immer mehr um die Unterstützung. Der Mitarbeiter ist der Unterstützer des Klienten und kann auf unterschiedlich Art und Weise zur Seite stehen. Theunissen teilt es beispielsweise in die lebenspraktische Assistenz (praktisch helfen); dialogische Assistenz (partnerschaftliches Gegenüber sein); advokatorische Assistenz (übersetzen, stellvertreten); sozialintegrierte Assistenz (das Dabeisein ermöglichen); konsultative Assistenz (beraten); facilitatorische Assistenz (Bildungsgelegenheiten bieten); lernzielorientierte Assistenz (Lernhilfen bieten); intervenierende Assistenz (Grenzen erleben).
Wer sich mehr mit dem Thema des selbstständigen Lebens auseinandersetzt, dem fällt sofort auf, dass sich viele Dinge automatisch im Alltag ergeben/einstellen. Wichtig: Der Klient ist der Chef! Der Mitarbeiter der Assistent/Unterstützer!
Mir wurde im Laufe der vergangenen Zeit, seit dem ich im ambulanten Wohnen arbeite, deutlich, dass es für viele Klienten, die ihr Leben lang im Heim gelebt haben schwer ist ihre alten Strukturen abzulegen und nun selbstständig zu denken und zu handeln. Niemand kauft mehr für sie ein und gibt somit unbewusst die Wurst/Käse oder Brotsorte vor. Dafür wird aber auch erwartet das diese Klienten sich nun selbst um diese Dinge kümmern sollen. Den Einen gelingt dieses sehr schnell. Die Anderen benötigen erst eine gewisse Zeit mit intensiverer Assistenz um sich an diesen "Zustand" zu gewöhnen. Denn wer nie selbst denken musste, weil ihm diese Entscheidungen schon immer vorher abgenommen wurde, für den ist es eine Herausforderung und mit Anstrengung verbundene neue Lebensform. Später fällt dem Klienten dann häufig auf was für Unterschiede zwischen dem klassischen Heimleben und seiner neuen, selbstständigen Lebensform herrscht. Klienten wollen sich dann auch noch weiter/immer mehr von eines solchen Institution abgrenzen.
Dieses gelingt ihnen am Besten indem sie selbst entscheiden können wann, wo und wie sie leben und erleben wollen. Dabei können sie von den Mitarbeitern in ihren Entscheidungen beraten und begleitet werden.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Empowerment

Von Empowerment ist im Rahmen von Inklusion auch immer wieder die Rede. 
Frei übersetzt bedeutet Empowerment die Ermächtigung bzw. Befähigung. Im Rahmen von Empowerment ist daher gemeint, dass Menschen mit Beeinträchtigung/Klienten die Experten in eigener Sache sind. Sie sollen selbst über ihre Lebenssituation entscheiden.
Ziel des Konzeptes ist es, Handlungsräume für Menschen mit Behinderung zu schaffen, in denen sie ihre eigenen Stärken entdecken und sich so noch ein Stück weiter von den Unterstützern ablösen können.
Der Gedanke des Empowerment entstand mehr oder weniger durch eine Protestaktion, wobei die Angehörigen der Klienten, aber auch die Klienten selbst schnell merkten, dass sie nicht fremdbestimmt leben wollten, sondern viel lieber ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen. Dieses bedeutet für einige auch, dass sie auf eine Art Assistenz angewiesen sind. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass sie trotz Unterstützung weiter der Chef ihrer selbst sind. Sie sind die Arbeitgeber und verteilen die Arbeit an ihre Assistenten. Assistenten gibt es in vielen unterschiedlichen Varianten. Zum Einen beispielsweise im Rahmen von Schule und Arbeit, aber auch als Form im selbstständigen Wohnen.
Beschäftigt man sich mit dem Thema und wälzt einige Bücher, fällt gleich auf, dass auch dort immer wieder klar gemacht wird, dass es ein anderes Rollenverständis bedeutet. Die Mitarbeiter entscheiden nicht mehr was für den Klienten gut ist, sondern sie sind der Begleiter durch kooperative Unterstützung. Er ist quasi der "Handlanger", der verlängerte Arm oder möglicherweise auch der Freund zum Quatschen. Aber auf keinen Fall mehr der, der ihm alles diktiert und auferlegt, kein Elternpart!
In meiner alltäglich Arbeit wird auch immer wieder deutlich, dass diese Form der Unterstützung eine ganz andere Art von Wertschätzung mit sich bringt. Die Klienten fühlen sich ganz anders wahrgenommen und bekommen letztendlich auch dadurch ein stärkeres Selbstbewusstsein.
Wichtig für die Arbeit mit den Klienten, gerade im Bezug auf Inklusion und Empowerment ist der andere Blickwinkel den man als Mitarbeiter bekommen sollte. Sicherlich ist es nicht einfach alle Zügel loszulassen und den Klienten nicht den "einen, richtigen Weg" zu zeigen. Aber durch die Form des Stärken orientierten Arbeitens gelingt es viel besser eine gute, entspannte Beziehung aufzubauen. Für viele ist es zunächst schwierig sich hauptsächlich auf die Stärken zu konzentrieren und die Schwächen weniger zu beachten. Im normalen Heimalltag geht es immer darum was Klienten nicht können. Aber warum? Sicherung der Arbeitsplätze? Angst vor zu viel Selbstständigkeit? Das die Klienten vielleicht über sich hinauswachsen? All dies sind sicherlich Argumente. Aber sind es wirklich Gute?
Ich finde nicht! Durch mehr Sebstständigkeit könnte man meinen, dass der Arbeitsplatz gefährdet ist. Ich finde, dass das nicht der Fall ist. Sondern viel mehr eine Aufgabenverschiebung. Warum soll jemand geduscht werden, der es selbstständig könnte?. Meiner Meinung nach, macht es doch viel mehr Sinn an den Interessen des Klienten anzuknüpfen um diese noch weiter zu fördern, damit er noch selbstständiger wird. Wichtig dafür ist natürlich das Interesse und der Wille des Klienten. Was bringt es, jemandem das Kochen beizubringen, wenn er daran gar kein Interesse hat. Diese Person kann doch auch, wie viele Menschen in Deutschland, sich das Mittagessen liefern lassen. Die Konzentration könnte dann auf andere Bereiche des Lebens fokussiert werden, um dort die Stärken und Interessen noch weiter zu fördern. 
Ich möchte auch nicht ständig daran erinnert werden was ich alles nicht kann. Vielmehr freue ich mich darüber, wenn ich etwas geschafft habe, was mir keiner, vor allem ich mir selbst nicht zu getraut habe. Ich denke, dass geht jedem so, egal ob Klient oder mir persönlich. Wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme über mich selbst hinaus zu wachsen kann das natürlich schief gehen und ich bin ein bisschen enttäuscht, lerne aber auch, wo mein Fehler war, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Samstag, 3. Januar 2015

Was bedeutet eigentlich Teilhabe?

Teilhabe ist in aller Munde. Aber was bedeutet das eigentlich?
Teilhabe bedeutet zunächst das "Miteinbezogensein" in die Gesellschaft. Dabei wird sich hauptsächlich an Menschen mit Behinderung orientiert, denn der Begriff stammt aus dem SGB IX §1 wo drin die Eingliederung durch die Teilhabe abgelöst wird. Ziel des Gesetzes ist es, die Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern und Benachteiligungen auszuschalten bzw. zu vermeiden.
Die Förderung der Selbstständigkeit soll durch erbrachte Leistungen dazubeitragen, dass der Betroffene nicht weiter als Objekt, sondern viel mehr als Subjekt gesehen und verstanden wird. Durch die Chance auf Selbstbestimmung und Autonomie, soll den Klienten die Möglichkeit gegeben werden, sich weg von der Fremdbestimmung zu bewegen und so weiter selbst die Teilhabe aktiv mitzugestalten.

Montag, 29. Dezember 2014

UN-Behindertenrechtskonvention

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ein Zusammenschluss/Beschluss aller zugehörigen Staaten der Vereinigten Nationen.
Dabei wurde im Jahr 2006 festgelegt bzw. festgestellt, dass alle Menschen, egal ob behindert oder nicht behindert ein uneingeschränktes Recht auf Teilhabe in der Gesellschaft haben.
Dabei wird man sich an der "Inklusion"orientieren bzw. die Inklusion als Leitbild/Leitgedanken nehmen.
Das bedeutet, wie bereits in vorherigen Texten kurz erwähnt, dass es nicht darum geht, dass die Behinderten sich in die Gesellschaft integrieren, sondern viel mehr, dass sich die Gesellschaft an den Behinderten orientiert, um die Vielfalt der Gesellschaft deutlich zu machen.
Seit dem 26.03.2009 ist die Konvention in Deutschland in Kraft getreten.
Ziel der Konvention ist sicherlich die Stärkung der Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung, aber auch die Chancengleichheit in der Gesellschaft zu fördern (vgl. https://www.behindertenbeauftragter.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschuere_UNKonvention_KK.pdf?__blob=publicationFile).
Hintergrund der Konvention ist, dass aufgrund der fortschreitenden Medizin, der wachsenden Weltbevölkerung und der stark zunehmenden Lebenserwartung immer mehr Menschen zu der "Randgruppierung", den Behinderten, gehören. Dieses soll daher nicht weiter eine Randgruppierung bleiben, sondern viel mehr in die Mitte der Gesellschaft rutschen. Denn durch die wachsende Zahl an Betroffenen, kommt es dazu, dass die Randgruppe im Grunde gar keine Randgruppe mehr ist. 
Dabei werden in der Konvention nicht nur die Rechte von Menschen mit Behinderung festgelegt, sondern beispielsweise auch die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Bei uns in Deutschland ist diese durch die Frauenrevolution in den vergangenen Jahrzehnten bereits weit fortgeschritten, wobei sich die Geister noch über die derzeitige Umsetzung z.B. bei der Frauenquote in Firmen bzw. in Chefpositionen streiten.
Zu bedenken ist, dass zu den 158 unterzeichnenden Staaten auch Länder gehören, in denen viele Dinge eben noch nicht so weit fortgeschritten sind wie hier Deutschland.
Denn auch Menschen mit Behinderung haben immer noch, trotz der langen Zeit nach dem Inkrafttreten der Konvention mit Diskriminierung und Benachteiligungen in verschiedenen Lebenslagen zu tun.
Aus diesem Grund haben sich die Länder dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderung am Leben in der Gesellschaft teilzuhaben und die Achtung der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderung und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt zu betrachten und weiter zu fördern bzw. voran zu treiben.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Inklusion in der Behindertenhilfe

Inklusion in der Behindertenhilfe ist, obwohl das Gesetz bereits seit 2006 besteht, noch in den Kinderschuhen. 
Große Träger von Behinderteneinrichtungen fangen an ihre Wohnheime zu dezentralisieren, also nicht wie bisher, alle Menschen mit Behinderung in einer Gemeinde oder Stadt unterzubringen, sondern Wohnheime auszugliedern, um Menschen die Möglichkeit zu geben in Heimatnähe wohnen zu bleiben und so die nötige Unterstützung zu bekommen, die sie benötigen und die Familien zu entlasten, aber dennoch immer in der Nähe zu bleiben.
Denn der Inklusionsgedanke bedeutet auch, dass sich nicht die Menschen mit Behinderung verändern müssen, sondern sich die Umwelt auf die Menschen mit Behinderung anpasst.
Zurzeit besteht in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung eine große Welle in Richtung ambulant unterstütztes Wohnen. Dabei könnnen Menschen mit Handicap in ihre eigene Wohnung ziehen und bekommen von dort aus die Leistung des Trägers. Dieses Angebot ist für die einzelnen Kostenträger eine günstigere Variante als ein Heimplatz und bietet für viele Klienten die Möglichkeit sich weiter zu entwickeln, Kompetenzen zur Selbstständigkeit zu vertiefen und noch weiter in die Mitte der Gesellschaft zu rutschen.
Allerdings ist dieses Angebot nicht für jeden Klienten geeignet. Sicherlich ist eine barrierefreie Wohnung kein Problem, wenn es sich um einen Rollstuhlfahrer handelt, es sei denn barrierefreie Wohnungen sind in der "Traumstadt" nicht vorhanden oder Mangelware.
Aber stellen Sie sich einen schwer körperlich und geistig behinderten Menschen vor. Wie soll dieser Mensch, der eigentlich eine "Rund um Betreuung" benötigt mit 10-17 Fachleistungsstunden in der Woche auskommen? Wie soll er, wenn er an sein Bett gebunden ist von sich aus weiter in die Mitte rutschen?
Meiner Meinung nach ist es für dieses Menschen überhaupt erst einmal wichtig mitbestimmen bzw. selbstbestimmen zu dürfen. Welches Oberteil möchte ich heute anziehen, den Wollpulli oder lieber eine dünne Bluse? 
Möchte ich Wurst oder Käse auf mein Brot?
All dies sind doch Fragen, die wir im Alltag selbst entscheiden und bestimmen. Für Menschen mit schweren Behinderungen ist dies aber der Alltag. Sie können nicht in allen Lebenslagen mit-/selbstbestimmen und sind immer auf Andere angewiesen. Dann macht es doch einen Großteil aus, wenn sie einfach mal nach ihrer Meinung gefragt werden.

Ich habe viele Klienten erlebt, die zuerst durch eine solche, neue Fragestellung überfordert sind. Schließlich mussten sie viele Dinge lange Zeit nicht selbst entscheiden oder bekamen nicht die Möglichkeit dazu. 
Meine Feststellung aber war, dass desto mehr Klienten mit entscheiden oder selbst entscheiden konnten, desto selbstständiger und selbstbewusster wurden sie. Ihr Selbstwertgefühl nahm stark zu. Für einige Kollegen wurden die Klienten auf einmal resolut, wehrten sich. Für meine Kollegen eine völlig neue Erfahrung. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich aber lediglich, dass die Klienten anfingen ihre Meinung preiszugeben, auch wenn mal deutliche Worte geäußert wurden. Und das ist doch letztendlich auch ein Teil von Inklusion. Am Leben teilhaben und wie in der Definition beschrieben "miteinbezogen werden".

Weitere Informationen zu diesem riesigen Thema werden folgen.

Samstag, 20. Dezember 2014

Inklusion allgemein

Schaut man sich einzelne Theorien und Artikel zum Thema Inklusion an, stellt man schnell fest, dass es um weit mehr geht, als um Menschen mit Behinderung.
Sicherlich hat man das als Erstes im Kopf wenn man an Inklusion denkt.
Stimmt aber nicht!
Inklusion ist ein Gesetz für ALLE!
Es bedeutet, die gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen in der Gesellschaft.
Daher sollte mal überlegt werden, was ist mit den alten Menschen in unserer Gesellschaft? Können die genauso am sozialen und kulturellen Miteinander teilhaben wie wir? Oder Menschen mit einem Migrationshintergund? Können die sich genauso in der Gesellschaft verständigen wie wir? Haben die, die gleichen Möglichkeiten wie wir?
All diese Gedanken werden bei der breiten Diskussion häufig vergessen.

Denn es geht nicht nur um die Inklusion in Schulen oder der Barrierefreiheit für alle (sicherlich auch, aber wie gesagt, nicht nur).
Was ist schließlich mit ihrem Nachbarn von neben an? Kennen Sie den? Haben Sie ihm schon mal bei etwas geholfen oder ist er Ihnen schon mal bei etwas behilflich gewesen?
Gerade zu Weihnachten besinnen sich viele auf das Wichtigste, das Miteinander. Da bekommt der Postbote eine kleine Aufmerksamkeit für seine täglich zu verrichtende Arbeit, aber was ist mit den Menschen die über/unter Ihnen oder direkt neben an wohnen? Natürlich müssen Sie denen nichts schenken. Aber was ist mit dem Miteinander? Ein Gespräch mit der alten, alleinlebenden Dame oder einem netten "guten Tag" für die Familie von nebenan. Ist nicht viel, berührt aber jeden und hilft auch dem eigenen Selbstwertgefühl.

Freitag, 19. Dezember 2014

Was bedeutet Inklusion?

Schlägt man dieses Wort im Wörterbuch nach, so ergibt sich das "Miteinbezogensein" und die gleichberechtigte Teilhabe an etwas. Das klingt gut, beinhaltet aber noch weit aus mehr.
Denn in der UN-Behindertenkonvention wurde bereits Ende 2006 beschlossen, dass Menschen mit Behinderung als vollwertige Bürgerinnen und Bürger anerkannt werden sollen und ihnen die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden muss. Weiter wurde von den vereinigten Staaten festgelegt, dass die Inklusion ein Menschenrecht ist und von nun an in allen beteiligten Ländern (158 an der Zahl) umgesetzt wird. Das bedeutet, dass alle, also jeder Einzelne, aber auch der Bund und die Länder daran arbeiten müssen, dass eine gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen entsteht.

Inklusion in Schulen

Viele kennen das Thema Inklusion aus dem derzeit heiß diskutierten Umfeld von Schule und Bildung. Dabei geht es darum auch Menschen mit Behinderung die gleichen Chancen zu bieten wie jedem Anderen. Sicherlich ist es wichtig, dass alle die gleichen Möglichkeiten auf Bildung bekommen, allerdings setzt das auch diverse Fördermöglichkeiten voraus, um die Leistungsschwächeren daran zu beteiligen. Dies ist derzeit auch Mittelpunkt ein weit verbreiteten Disussion. Denn man kann nicht erwarten, dass es in Schulen auf einmal keine Stufen mehr gibt oder sich die Türen von selbst öffnen, denn dafür fehlt letztendlich auch das Geld. Weiter ist es, meiner Meinung nach, unmöglich Menschen mit einer schweren Intelligenzminderung auf eine weiterführende Schule, wie Gymnasium, Realschule oder Hauptschule zu schicken, da diese Menschen zunächst einmal grundlegende Dinge lernen müssen, wie das selbstständig Essen, Trinken oder gar erst Sprechen oder Lesen. Sicherlich ist es für Menschen sinnvoll und eine große Chance um sich deutlich weiter zu entwickeln und weiter in die Mitte der Geselllschaft zu rutschen.
Wichtigstes Argument vieler Eltern: Ihre "normalen" Kinder werden dadurch im Lernen beeinträchtigt. Das ist völliger Quatsch!
Kinder können mit neuen Situationen und Menschen sehr gut umgehen und es fördert ihre soziale Kompetenz. Denn sie lernen auf eine andere Art und Weise das menschliche Miteinander und erleben gleichzeitig wie man am Besten gelerntes an Andere in einer einfachen, verständlichen Art weiter gibt. Dieses kann ihnen im späteren Berufsleben nur weiterhelfen. Häufig sind es eher die Ängste und Befürchtungen der Eltern, die das gemeinsame Miteinander stören und beeinflussen.
Hatten Sie schon mal Kontakt mit Menschen mit Behinderung? War es eine positive oder negative Erfahrung?